Im Schweizer Gesundheitswesen gibt es einige ungelöste Probleme. Die stetig steigenden Krankenkassenprämien belasten immer mehr Menschen. Obwohl rund 80 % der Gesundheitskosten für chronische Erkrankungen aufgewendet werden, haben viele Betroffene mit chronischen Beschwerden dennoch das Gefühl, dass ihnen nicht wirklich nachhaltig geholfen wird.
Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass wir chronische Erkrankungen noch immer zu oft so behandeln, als würde es genügen, auf nur einer einzigen Ebene einzugreifen: mit einer Diagnose, einem Medikament, einer Symptombehandlung oder einer isolierten Massnahme. Das ist bei akuten Erkrankungen oft unverzichtbar und richtig. Bei chronischen Beschwerden genügt es jedoch meistens nicht, und die Ergebnisse bleiben dann häufig unbefriedigend.
Chronische Erkrankungen entstehen in der Regel nicht durch einen einzelnen Defekt, sondern durch ein Zusammenspiel vieler verschiedener Ebenen. Sie haben mit unserem Mindset zu tun, mit Stressbewältigung und emotionaler Regulation, mit sozialen Beziehungen, mit Ernährung, Bewegung und Fitness, mit Schlaf und biologischen Rhythmen, mit Umweltbelastungen und auch mit den Fähigkeiten des Körpers, sich zu regulieren, zu regenerieren und wieder in ein besseres Gleichgewicht zu finden.
Genau deshalb brauchen wir aus meiner Sicht nicht nur eine Wissenschaft der Krankheitsbehandlung, sondern zunehmend auch eine Wissenschaft der Gesundheitserzeugung.
In meinen Nachforschungen habe ich dafür neun Ebenen definiert, die wir in unserem Praxisalltag betrachten und die meiner Ansicht nach bei chronischen Erkrankungen unbedingt mitberücksichtigt werden sollten. Denn wenn wir nur eine Ebene anschauen, übersehen wir oft die eigentlichen Zusammenhänge, die für die Beschwerden der Menschen mitverantwortlich sind. Wenn wir jedoch lernen, Gesundheit breiter zu verstehen, können wir Defizite schneller erkennen, gezielter angehen und Menschen sehr viel wirksamer unterstützen.
Aus diesem Grund habe ich in letzter Zeit eine Serie von wissenschaftlichen Papieren geschrieben, die nun nach und nach veröffentlicht werden. Dahinter steht eine klare Absicht: einen Beitrag dazu zu leisten, Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken, die Behandlungsergebnisse bei chronisch kranken Menschen zu verbessern und gleichzeitig auch die Kosten im Gesundheitswesen zu senken.
Gesundheit sollte nicht nur als etwas verstanden werden, das durch eine Pille oder eine einzelne Intervention von aussen vermittelt wird. Sie entsteht in hohem Mass auch durch die eigene Gesundheitsentwicklung — durch die bewusste Optimierung jener Lebensbereiche, die unsere Gesundheit täglich mitprägen.
Dazu gehört, diese Bereiche überhaupt erst klar zu erkennen, Defizite schneller sichtbar zu machen und sie dann gezielt anzugehen. Genau dafür habe ich auch verschiedene Ansätze entwickelt, mit denen sich solche Schwachstellen schneller und effizienter erfassen und verbessern lassen. Welche konkreten Massnahmen dabei hilfreich sind, werde ich in weiteren Newslettern näher erklären.








